Depression

 „Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein…“

Hermann Hesse

Bin ich depressiv?

Fragst Du dich manchmal: „Bin ich depressiv“? oder „Habe ich Depressionen?“. Manche Menschen fragen sich auch, warum sie so viel grübeln müssen und ob das noch normal ist. Depressionen sind eine weitverbreitete Erkrankung in westlichen Industrieländern und werden in den Medien auch manchmal als Volkskrankheit Depression bezeichnet, weil der Anteil an Depressionen an allen psychischen Erkrankungen besonders hoch ist. In Deutschland ist fast jeder zehnte Mensch betroffen und ungefähr jeder fünfte Mensch hat im Laufe des Lebens eine depressive Erkrankung. Wie viele kennst du? Wahrscheinlich nicht so viele, denn das Vorliegen einer Depression ist gesellschaftlich stigmatisiert. Man spricht nicht darüber, aus Angst ausgegrenzt zu werden. Dabei sind viele Menschen von depressiven Symptomen betroffen und es ist ungeheuer hilfreich sich bei Anzeichen von Depressionen gegenüber Freunden und Familie zu öffnen und das Gespräch zu eröffnen. Aber worum geht es genau? Was ist noch normales traurig sein und was ist schon ein Symptom einer Depression? Im Internet findest du eine Fülle an Informationen und darunter auch viel Fehl- oder nur Teilinformationen. Daher ist bei der Recherche im Internet Vorsicht geboten. Um Symptome einer Depression feststellen zu können, benötigt es immer eine umfassende Diagnostik. Kein Selbsttest für Depressionen kann dir sagen, ob du eine Depression hast oder nicht. Versuche nicht, dich selbst zu therapieren, sondern sprich mit professionellen Helfer*innen wie Therapeut*innen, Berater*innen oder Psychiater*innen darüber.

Fühlst du dich oft müde, antriebslos, schlapp? Fragst du dich: „Wie kann ich aufhören zu denken?“ Denkst du, du bist nichts wert? Vielleicht sagst du auch: „Mir macht nichts mehr Spaß“. Grübelst du viel und kommst aus dem Grübeln gar nicht mehr heraus? Bist du manchmal richtig lebensmüde? Denkst du oft, dass eh alles schlecht ist und deine Zukunft sowieso? Fühlst du keine Freude mehr im Leben? Bist du oft tieftraurig? Hast du deine Hobbies, Interessen oder Freundschaften vernachlässigt oder aufgegeben? Dann kann es sein, dass du von Depressionen betroffen bist. Auch viele berühmte Promis wie beispielsweise der Berliner Rapper Prinz Pi, der ehemalige Skispringer Sven Hannawald, die Sängerinnen Lady Gaga, Miley Cirus und die Influencerin Selena Gomez sprechen öffentlich über ihre depressive Erkrankung und leisten damit zur Entstigmatisierung von Depressionen einen wichtigen Beitrag.

Depressionen bei Männern

Männer nehmen depressive Symptome oft anders wahr. Wenn du ein Mann bist und irgendwie gereizter und aggressiver bist, kann das auch ein Anzeichen für Depressivität sein. Darüber hinaus können auch körperliche Beschwerden wie Kopfweh, Bauchweh oder sexueller Funktionsverlust auftreten und die klassischen Symptome einer Depression werden noch gar nicht wahrgenommen. Neigst du zu mehr Risiko als sonst? Trinkst du deutlich mehr Alkohol? Bist du schneller gestresst? Dann kann es sein, dass du von einer Depression betroffen bist. Auch wenn es Gründe in deinem Leben gibt, bspw. Stress in der Uni und Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder Beziehungsprobleme, solltest du trotzdem die Möglichkeit einer psychischen Erkrankung in Betracht ziehen und dir professionelle Hilfe holen. Sei stark und rede darüber.

Depression bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Das Risiko an einer Depression zu erkranken erhöht sich im Jugendalter deutlich im Vergleich zum Kindesalter. Das durchschnittliche Alter der Ersterkrankung liegt bei 14 Jahren. Man geht davon aus, dass ca. 70-80% der depressiven Erkrankungen nicht behandelt werden. Als Ursachen werden unter anderem die schwere Diagnostizierbarkeit angeführt, da Folgeprobleme der Depression dazu führen die eigentliche Depression nicht zu erkennen. Auch bei dieser psychischen Erkrankung werden mehr weibliche als männliche Menschen registriert. Typische Anzeichen im Jugendalter sind neben den allgemeinen Symptomen (s.u.)  Verwahrlosungstendenzen, Schulvermeidung, Leistungsabfall in der Schule, antisoziales Verhalten, Stimmungsschwankungen, Kopf- und Magenschmerzen, Trauer ohne Grund und gedankliche Beschäftigung mit dem Tod. Auch Suizidalität ist ein damit einhergehend weit verbreitetes Symptom einer Depression. Selbstmord ist nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache der Jugendlichen in Deutschland.

B2-Lexikon

Symptome Depression

Die Hauptsymptome einer unipolaren Depression sind eine depressive, gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit (oft selbst nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkung. Unipolare Depression bedeutet, dass keine manischen, also bipolare Symptome, vorhanden sind, was bei ca. 1/5 aller Menschen mit Depressionen vorkommt. Zusätzlich können verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen oder ein verminderter Appetit Symptome einer Depression sein.

Verlauf & Prävalenz Depression

Die Prävalenz, also die Verbreitung, von depressiver Symptomatik liegt laut Robert Koch Institut in Deutschland bei 9,2%. Der EU Durchschnitt liegt bei 6,6%.  Knapp jede*r Zehnte in Deutschland ist von Depressionen betroffen. Frauen sind im deutschen Durchschnitt häufiger betroffen als Männer. Die 15-29-Jährigen in Deutschland sind mit 11,9% am häufigsten von depressiven Symptomen betroffen und damit eine Risikogruppe. Der EU Durchschnitt bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt bei 5,2%. Das Risiko im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken liegt national und international bei 16-20%. Depressionen zeichnen sich durch ihre Episodenhaftigkeit aus und können in manchen Fällen auch ohne psychotherapeutische Hilfe vollständig auskuriert werden, jedoch weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass dies von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Etwas 2/3 der Betroffen haben längere Phasen in Remission, also Rückgang der Symptome, und 1/3 erleben nur teilweise eine Besserung. Die Heilungschance nach einer einmaligen depressiven Episode sind gut. Je öfter diese vorkommen und nicht behandelt werden, desto schlechter wird auch die Prognose. Bei Substanzmissbrauch (insbesondere Alkohol und Cannabis), bei komorbiden Begleiterkrankungen wie Angst-, Zwangs- und Essstörungen oder chronischen Verläufen (mindestens zwei Jahre ohne Remissionsphasen) verschlechtern sich ebenfalls die Genesungserwartungen. Bei schweren Depressionen müssen eine pharmakotherapeutische und eine psychotherapeutische Behandlung erfolgen. Bei leichte und mittelschweren Depressionen erfolgt in der Regel eine psychotherapeutische Behandlung ohne pharmakotherapeutische Behandlung.

Ursachen Depression

Allgemein werden in der Ätiologie, also der Ursachenlehre, genetische, neurobiologische und Umweltfaktoren als Ursache von Depressionen herangeführt. 15 % der Verwandten ersten Grades eines mit Depression erkrankten Menschen erleiden selbst eine Depression. Viele Menschen mit depressiver Erkrankung haben im Vergleich zu gesunden Menschen zudem einen Mangel an Neurotransmittern (Botenstoffen) im Gehirn. Serotonin, Noradrenalin und Dopamin sind geringer ausgeprägt. Antidepressiva gleichen den Neurotransmitterhaushalt aus und können so depressive Symptome und Beschwerden lindern. Darüber hinaus wurde bekannt, dass das limbische System von depressiven Menschen verändert aktiv ist. Das limbische System ist bei der Stressregulation und Gefühlswahrnehmung im Gehirn beteiligt. Menschen mit depressiven Beschwerden schütten im erhöhten Maße das Stresshormon Cortisol aus. Auch körperliche Erkrankungen oder bestimmte Medikamente können eine Depression auslösen. Bei den Umweltfaktoren scheinen psychosoziale Faktoren wie Erziehungsstile und Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle zu spielen:

  • Ängstlich-unsicherer Erziehungsstil, wobei umstritten ist, ob dieser Erziehungsstil Ursache oder Folge einer gewissen psychischen Grundverletzlichkeit des Kindes ist.
  • Bindungsprobleme
  • geringes Selbstwertgefühl seit früher Kindheit
  • Früher Verlust eines Elternteils
  • Nicht verarbeitete Traumata
  • Persönlichkeitseigenschaften wie Selbstunsicherheit, Überkorrektheit, Ordentlichkeit, Leistungsbetonung und Aufopferungsbereitschaft
  • Kritische Lebensereignisse wie Trennung, Unfall, Missbrauch, Tod eines Angehörigen u.v.m.

Quellen: Journal of Healthmonitoring des Robert Koch Instituts 2019 (4/4); AWMF Leitlinie Depression; Neurologen & Psychiater im Netz; Ärzteblatt 2020

Inhalte vorlesen lassen

Inhalte vorlesen

 

 

Diese Website verwendet Cookies. Hiermit willige ich ein, dass meine Nutzung der Website anonym - zur Verbesserung der Website - analysiert wird. Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen
Ok
Ablehnen