Angststörung

„Angst ist Teil der menschlichen Natur, doch sie nimmt uns gefangen, wenn die Möglichkeit mit der Realität in Konflikt tritt und wenn die Gegenwart von der Zukunft besessen ist.“

Kierkegaard

Warum habe ich Angst?

Fragst du dich manchmal: „Wieviel Angst ist normal?“ oder „Warum habe ich Angst?“ Angst ist ein wichtiges und normales menschliches Gefühl und hilft uns, Risiken zu erkennen. Ein gutes Beispiel dafür ist folgende Situation: Du stehst vor einer steilen Klippe und du würdest sterben, wenn du dort hinunterfällst.  Deine Beine zittern, dir wird schwindelig und du denkst daran, wie schlimm es wäre zu fallen. Im Ergebnis wirst du daher vorsichtig sein und nicht zu nah an die Klippe stehen. Deine Angst ist dann sinnvoll und führt in diesem Fall zu überlebenswichtigem Verhalten. Wenn du keine Angst empfinden würdest, bestünde das große Risiko, dass du hinunterfällst und stirbst. Anders verhält es sich allerdings, wenn du nicht auf einer Klippe stehst, sondern einen Spaziergang auf ungefährlichem Gelände machst und du gleiche körperliche Signale wie an der Klippe hast und befürchtest zu sterben. Dann ist das ein Symptom einer Angststörung und stellt ein ernsthaftes psychisches Risiko für dich dar. Da dein Organismus negative Erlebnisse vermeiden will, kann es sein, dass du dann auch keine Spaziergänge mehr machst, damit du keine körperlichen, emotionalen und gedanklichen Angstsymptome spürst. Das nennt man Vermeidung. Sie ist eine typische Reaktion auf Angsterleben und führt leider häufig dazu, dass die Angst sich dadurch noch verstärkt und eine Angststörung entstehen kann oder aufrechterhalten wird.

Wieviel Angst ist normal?

Was in diesem Beispiel sehr klar deutlich wird, ist in vielen Situationen viel unübersichtlicher. Ist meine Angst, das Studium nicht zu schaffen, noch normal oder nicht? Sie kann ja ein innerer Antrieb für gute Leistungen, aber auch ein Stolperstein sein, wenn die Angst die Leistungsfähigkeit einschränkt. Vielleicht fragst du dich auch:

„Wie werde ich mutiger?“. Da kommt es dann auch darauf an, in welchen Situationen du mutiger werden willst und wie groß deine Einschränkung im Alltag ist. Eine Spinnenphobie, also die Angst vor Spinnen, kann man ja hierzulande gut selbst managen, solange man in der Lage ist die Situation zu verlassen oder zu verändern. Wenn du dich allerdings kaum raus traust und den Kontakt zu anderen Menschen stark vermeidest, weil du nicht weißt, was die andern über dich denken oder Angst hast, dass sie schlecht über dich denken, ist es wichtig über die Symptome mit einer professionellen Person zu sprechen. Hast du manchmal richtig Angst vor dem Kontakt mit fremden Menschen? Vermeidest du wichtige Aufgaben, weil du Angst davor hast? Traust du dich nicht, mit anderen in Kontakt zu treten? Denkst du viel daran, was andere von dir denken und das engt dich dann komplett ein? Oder hast du manchmal auch Angst vor ganz unterschiedlichen Dingen und weißt auch gar nicht, warum? Hast du generell viel Angst vor Neuem und was alles Schlimmes passieren könnte? Hast du richtig Panik vor Klausuren oder Prüfungen und bist dann blockiert? Merkst du deine Angst körperlich durch Schwitzen, Herzklopfen, Bauchweh oder andere körperlichen Anzeichen? Hast du Angst, deine wichtigen Menschen zu verlieren, obwohl sie gesund und nicht gefährdet sind? Dann kann es sein, dass du von Angststörungen betroffen bist. In diesem Fall solltest du die Symptome auf das Vorliegen einer Störung innerhalb einer Therapie prüfen und behandeln lassen. Im Internet findest du eine Fülle an Informationen und darunter auch viel Fehl- oder nur Teilinformationen. Daher ist bei der Recherche im Internet Vorsicht geboten. Um Symptome einer Angststörung feststellen zu können, benötigt es immer eine umfassende Diagnostik. Kein Selbsttest für Angststörungen kann dir zuverlässig sagen, ob du diese Erkrankung hast oder nicht. Versuche nicht dich selbst zu therapieren, sondern sprich mit professionellen Helfer*innen wie Therapeut*innen, Berater*innen oder Ärzt*innen darüber.

Wie soll ich weiter vorgehen?

Wenn du das Gefühl hast, dass du deutlich ängstlicher bist wie andere oder dir deine Angst sehr im Weg steht, kann es sein, dass du eine Angststörung hast. Dann solltest du Kontakt zu einer*r Therapeut*in herstellen. Wenn du dir weiterhin die Frage stellst: „Wieviel Angst ist normal?“ oder dir nicht sicher bist, ob du für eine Psychotherapie in Frage kommst, kannst du dich bei B2 Onlineberatung registrieren und uns eine Mail schreiben. Dort können wir diese und auch andere Fragen in Ruhe besprechen. Wir bieten keine Diagnostik an, das muss ein*e Psychotherapeut*in oder Psychiater*in tun. Wir können aber mit dir gemeinsam überlegen, ob eine Therapie sinnvoll wäre, wie du einen Psychotherapieplatz erhältst und begleiten dich mit allen Fragen, die du hast. Das können dann neben der Angst auch ganz andere Dinge sein.

 

B2-Lexikon

Symptome Angststörung

Es gibt verschiedene Formen der Angststörung. Die Panikstörung, auch als Agoraphobie bekannt, zeichnet sich durch plötzliche Angstattacken mit körperlichen starken Anzeichen aus. Sie tritt in öffentlichen Verkehrsmitteln, engen Räumen oder Menschenmengen auf. Die Angst vor anderen Menschen wird Soziale Angst genannt und beinhaltet Angst vor negativer Bewertung durch andere. Eine unbestimmte Nervosität, generelle Überängstlichkeit, die Angst vor Katastrophen nennt man generalisierte Angststörung. Sie zeichnet sich auch durch ein geringes Kontrollerleben der Ängste aus. Die Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten, wie bspw. Spinnen, Insekten, Spritzen, Naturgewalten u.v.m. werden Phobien genannt. Was alle Angststörungen in der Regel verbindet sind nicht adäquate oder anlasslose Ängste und oder somatische Anzeichen wie Schwitzen, Herzrasen, Atemnot, Bauchweh oder andere körperliche Anzeichen. Diese können auch ohne erkennbaren Anlass vorhanden sein. Ängste, die auf bestimmte Situationen oder Gedanken bezogenen sind, zeichnen sich durch starkes Vermeidungsverhalten aus.

Verlauf & Prävalenz Angststörung

Eine unbehandelte Angststörung kann zu einer chronischen, also dauerhaften Erkrankung führen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Suchterkrankungen. Angststörungen sind die häufigste Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Frauen sind 2-3-mal häufiger als Männer betroffen. Es existieren auch empirische Hinweise für höhere Risiken durch kardiovaskuläre Erkrankungen und letale Krebsverläufe bei vorhandenen Angststörungen und Depressionen.

 

Ursachen Angststörung

Wie entstehen Angststörungen? Die Ätiologie, also die Ursachen, werden in der Kombination von Genetik und Umweltfaktoren gesehen. Verwandte ersten Grades mit einer Panikstörung haben bspw. ein 3-5fach höheres Risiko für eine Angststörung wie die Allgemeinbevölkerung. Schwierige Umwelterfahrungen wie Trennungen, Unfälle, Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt (u.v.m.) begünstigen eine Erkrankung. Schutzfaktoren stellen hingegen eine sichere Bindung, soziale Integration, adaptive (hilfreiche) Bewältigungsstrategien dar. Neurobiologische Studien weisen auf epigenetische Veränderungen sowie die Aktivität von neuronalen Angstnetzwerken im Gehirn von Angstpatienten hin. Eine große Rolle für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen sowie deren Therapie sind Konditionierungsprozesse, also das Erlernen von Reiz-Reaktionsschemata. Auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften wie Neurotizismus scheinen die Disposition für eine Erkrankung zu erhöhen. Das Kernelement der Therapie von Angststörungen sind neben Pharmakotherapie die Konfrontation mit den Angstauslösern, welche die Neutralisierung oder die adaptive Neubewertung der angstauslösenden Reize als Ziel hat. Neben diesen Therapieverfahren hat sich auch körperliche Betätigung und Sport als therapeutisch wirksam erwiesen, sofern diese ergänzend und nicht ausschließlich angewendet wird.

Quellen: Ärzteblatt 2018, AMWF Leitlinie Angststörungen 2020

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